Staubsaugroboter ohne Datenschutz-Dilemma

Staubsaugroboter gibt es seit einiger Zeit und sie sind mittlerweile gut ausgereift. In den meisten Fällen erledigen die Roboter-Modelle nicht nur das Staubsaugen, sondern auch das Wischen des Bodens. Für beide Haushaltstätigkeiten gibt es in einem Haushalt wie unseren mit zwei kleinen Kindern regelmäßig viel Bedarf. Trotzdem haben wir lange einen Bogen um diese Haushaltsroboter gemacht, da diese nur mit erheblichen Datenschutzrisiken sinnvoll verwendbar schienen.

Die Roboter sind mit allerhand Sensorik wie Kameras und Radaren ausgestattet, um Hindernisse zu erkennen und in der Wohnung zu navigieren und diese zu katografieren. Zusätzlich ist es üblich, mit dem Roboter über eine App des Herstellers auf dem Smartphone zu interagieren. Dort wird die Karte des für den Roboter erkundbaren Wohnbereiches interaktiv dargestellt. Man kann über die App dem Roboter verschiedenste Befehle geben, Informationen auslesen, über die Wohnungs-Karte Sperrzonen anlegen, Zeitpläne zur regelmäßigen Reinigung der Wohnung anlegen und natürlich auch Benachrichtigungen erhalten, wenn der Roboter doch mal unter dem Sofa stecken geblieben ist oder ein Spielzeug den Weg zu einem der zu säubernden Zimmer versperrt – alles Funktionen, die man bei einem solchen Gerät nicht missen möchte, die aber voraussetzen, dass der Roboter mit den Servern des Herstellers verbunden ist, die aktuellen Daten des Roboters und der Wohnung überträgt, um diese in der App zur Verfügung zu stellen.

Diese Daten sind allerdings aus folgenden Gründen äußerst schützenswert:

  • Die Daten erhalten allgemeine Informationen zum Haushalt, etwa wie viele Personen in diesem Haushalt leben, oder wie groß die Wohnung ist oder wie diese geschnitten ist?
  • Die erhobenen Daten werden mit dem Nutzungszeitraum sogar noch wertvoller, da diese dann Informationen enthalten, wie sich die Wohnung über einen Zeitraum verändert hat, wann das neue Sofa gekauft wurde, wann die Bewohner verreist sind.
  • Ganz zu schweigen davon, welche möglichen, schützenswerten Aufnahmen Modelle mit Kameras tätigen und übertragen könnten …

Man vertraut also stetig dem Hersteller, dass dieser die Daten nicht missbraucht, die Daten nicht an Dritte weitergibt, die Daten vor Datendiebstählen schützt und der Hersteller auch in Zukunft vertrauenswürdig bleibt.

Als ich im letzten Jahr auf eine Open-Source-Softwarelösung namens Valetudo stieß, die es ermöglicht, viele Staubsaugroboter ohne Cloud und Account-Zwang durch den Hersteller zu betreiben, gewann das Thema wieder an Relevanz für unseren Haushalt und ich begann mich mit unterschiedlichen von der Software unterstützten Roboter-Modellen und ihren Installations-Prozessen zu beschäftigen.

Die Idee von Valetudo ist, die aufwändig entwickelte Firmware des Herstellers grundsätzlich unverändert zu lassen und nur die Komponenten lahmzulegen bzw. zu ersetzen, die der Cloud des Herstellers bedürfen.

Die Installation geschieht prinzipiell in drei Schritten:

  1. Zunächst muss das Gerät gerootet (= das Erlangen von Vollzugriff auf das Betriebssystem) werden.
  2. Dann ist man in der Lage, die Firmware mit einem Patch auszutauschen, der die besagten Cloud-Komponenten entfernt.
  3. Und schlussendlich installiert man auf dem Bordcomputer des Roboters (auf dem für gewöhnlich Linux als Betriebssystem läuft) das eigentliche Programm „Valetudo“ welches die meisten der Funktionen, die der Hersteller über die App bietet, direkt vom Roboter über eine Webanwendung bereitstellt.

Für einige der Modelle, für die der Installationsprozess mit vertretbarem Aufwand und Risiko möglich schien, führte ich eine Marktanalyse durch und stieß auf ein Modell, den Dreame L10S Ultra, welches durch eine Rabatt-Aktion für ein paar Tage stark reduziert zu erstatten war. Von diesem Modell ausgehend traf ich dann die restlichen Vorbereitungsschritte. Zu diesen gehörte es, einen Adapter zwischen der Debug-Buchse des Roboters und einem Laptop zu erstellen. Dafür nutzte ich eine bereitgestellte Vorlage, um eine Platine dafür anfertigen zu lassen, und bestellte einige nötige Elektrokomponenten. Allein schon das seit langer Zeit mal wieder Löten bereitete mir bereits große Freude – auch wenn es nur Mittel zum Zweck war.

Als der Roboter geliefert wurde, nahmen wir ihn, ohne ihn ins WLAN zu hängen, über die Tasten am Roboter und der Basisstation, wie vom Valetudo-Projekt empfohlen, in Betrieb. Der Roboter funktionierte einwandfrei und hat seine ersten Saug- und Wischeinheiten in unserer Wohnung vorgenommen.

Nachdem ich mir die Installationsprozedur zu Genüge verinnerlicht und vorbereitet hatte, machte ich mich an einem Vormittag im Dezember daran, Valetudo auf dem Roboter zu installieren. Mit Erfolg! 🤖🎉

Seither lässt sich der Roboter also ganz ohne Verbindung zur Hersteller-Cloud und den damit verbundenen Datenschutzbedenken und ohne Abhängigkeit vom Internet steuern.

Als Nächstes steht die Integration über eine MQTT-Schnittstelle zu meiner HomeAssistant-Instanz an.

Quellen & Links

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